Noricum

Diese Karte zeigt die Lage der Römischen Provinzen, dunkel eingefärbt ist die Provinz Noricum.

Vorläufiges Bild, © Wikipedia / Thomas Pusch

Noricum war ein keltisches Königreich unter der Führung der Noriker, ein Keltenstamm, im Gebiet des heutigen Österreich. Ab 15 v. Chr. wurde aus dem Königreich die Römische Provincia Noricum. Diese Provinz grenzte im Süden an die Provincia Italia (Provinz Italien), im Osten an die Provincia Pannonia (Provinz Pannonien) und im Westen an die Provincia Reatia (Provinz Rätien).

Die Hauptstadt von Noricum war Noreia, doch es ist unbekannt, wo diese Stadt lag. Einige Wissenschaftler gehen davon aus, dass es sich um das keltische Siedlungsgebiet auf dem Magdalensberg (Kärnten) handelt. Diese Siedlung hat nämlich keinen bekannten Namen. Im Mittelalter glaubte man, Noreia sei entweder Murau oder Neumarkt in der Steiermark, denn man hat anhand antiker Aufzeichnungen den Weg von Aquileia (Italien) bis zu eben diesen beiden Orten errechnet. Außerdem kommen auch noch andere Orte in Frage. Interessant ist, dass es in der Gemeinde Mühlen (Steiermark) einen Ort gibt, der 1930 in Noreia umbenannt wurde, weil man glaubte, dass sich hier das „echte“ Noreia befunden hatte. Zudem glauben einige Historiker, dass das Wort „Noreia“ einfach nur „norische Stadt“ bedeutet. Somit hätte jede Stadt in Noricum so heißen können.

Geschichte Noricums

Bereits bevor sich die Noriker in ihrem späteren Königreich niedergelassen haben, siedelten Menschen in diesem Gebiet: Die Menschen der Hallstattkultur. Ob auch diese Leite bereits Kelten waren, ist nicht bekannt. Historiker haben aber herausgefunden, dass ab etwa 400 v. Chr. keltische Stämme von Ostfrankreich und Süddeutschland ins heutige Österreich eingewandert sind. Mit der Zeit setzten sich die Noriker als Führungsschicht durch. Um etwa 200 v. Chr. schlossen sich dann alle 13 in Noricum lebenden keltischen Stämme zum Königreich Noricum (lateinisch Regnum Noricum genannt) zusammen.

Mit der Zeit verbesserten die Kelten ihre Technik zum Anbau von Getreide und konnten so die Bevölkerung rasch vergrößern. Außerdem waren sie hervorragende Bergmänner und konnten Gold und Salz in den Bergwerken abbauen. So kam es, dass sie eifrig mit den Römern handelten und erste gut ausgebaute Straßen von Noricum ins Römische Reich gebaut wurden.

Die Kelten haben sich sehr viel von den Griechen und den Römern abgeschaut. Im 2. Jahrhundert v. Chr. entstanden erste befestigte Zentralorte, die für den Handel wichtig waren. Außerdem begannen die Menschen, Münzen nach griechischem Vorbild zu prägen (die Griechen haben sich das ihrerseits von den Lydern abgeschaut). Im 1. Jahrhundert v. Chr. erreichte Noricum eine bedeutende Ausdehnung nach Norden (bis zur Donau; ob die Kelten sich auch über die Donau ausgebreitet haben, ist nicht bekannt) und Osten.

181 v. Chr. gründeten die Römer in Norditalien die Stadt Aquileia. Dieser Ort wurde zu einem Zentrum für den Handel mit dem Königreich Noricum. Es begann ein reger Handel zwischen den Kelten und den Römern und so kam viel römisches Geld nach Noricum.

Ab 170 v. Chr. stand König Cincibilus durch ein „hospitium publicum“ (eine „staatliche Gastfreundschaft“) zu den Römern in einem freundschaftlichen Verhältnis. In der Folge wurden die Handelsbeziehungen ausgebaut und der Einfluss Roms nahm auf Noricum jetzt rasant zu.

Zentrum Noricums war vermutlich die Siedlung auf dem Magdalensberg (aber wie oben bereits erwähnt, ist das nicht bekannt). Dort hat man aber eine frührömische Inschrift gefunden, die die Namen von 8 der insgesamt 13 norischen Stämme nennt: Ambidravi (= Drautaler), Ambilini (= Gailtaler), Ambisontes (= Salzachtaler), Helvetii (auch Elveti, Stamm in Vorarlberg), Laianci (lebten in Osttirol), Norici (die Noriker, nach ihnen wurde das Land benannt), Saevates (aus dem Pustertal in Südtirol) und Uperaci (ihre Herkunft ist unbekannt).

Etwa um 50 v. Chr. wurde auf dem Magdalensberg ein römisches Händlerlager errichtet. Nicht nur das zeigt die guten Beziehungen zu den Römern, der norische König Voccio stellte Iulius Caesar (Julius Cäsar) sogar eine Abteilung Reiter für einen Bürgerkrieg zur Verfügung.

Ab 16/15 v. Chr. wurde das Regnum Noricum bis zur Donau weitgehend friedlich durch die Römer besetzt. Erst unter Kaiser Claudius (41 – 54 n. Chr.) wurde die römische Provincia Noricum eingerichtet: Sie umfasste das Gebiet zwischen Donau, Wienerwald, steiermärkischer Ostgrenze, Save, Eisack und Inn; das heutige Vorarlberg, Tirol, das Burgenland und das östliche Niederösterreich lagen außerhalb dieser Provinz.

Zunächst wurde die neue Provinz vom Magdalensberg aus regiert, später wurde aber als neues Zentrum und Sitz der Verwaltung die Stadt Virunum gegründet und die schon lange bestehende Siedlung auf dem Magdalensberg aufgegeben.

Zur Verteidigung der Donaugrenze (dem sogenannten Limes = Grenzwall) stellte Noricum Hilfstruppen. Ab den Kriegen gegen die Markomannen (166 – 182 n. Chr.) war an der Ennsmündung die Legio II Italica (2. Italische Legion) stationiert, deren Kommandant auch gleichzeitig Provinzstatthalter mit Sitz in Lauriacum (= Lorch, ) oder Ovilava (= Wels, ) war.

Kaiser Diocletianus (= Diokletian, 244 – 311 n. Chr., regierte von 284 – 305 n. Chr.) wurde teile Noricum entlang des Alpenkamms. Im Norden befand sichNoricum ripense (= „Ufernoricum“, wegen der Donau), im SüdenNoricum mediterraneum (= „Binnen-noricum“). Neu aufgestellt wurde die legio I Noricorum (1. Norische Legion), zur Verstärkung der Legio II Italica.

Mit dem von Odoaker (433 – 493 n. Chr., ab 476 König von Italien) angeordneten Abzug der Romanen 488 n. Chr. endeten die Verbindungen des Gebiets an der Donau zu Italien, südlich der Alpen hingegen erst mit dem Vordringen der Slawen und Awaren um etwa 600 n. Chr.

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