Ostarrichi

Diese Karte zeigt die schrittweise Erweiterung des Herrschaftsbereichs der Babenberger zu einer großen Markgrafschaft und später zu einem Herzogtum.

Ostarrichi (sprachwissenschaftlich richtigerweise „Ostarrîchi“ geschrieben) bezeichnete im 10. Jahrhundert eine Region im Osten des damaligen Herzogtums Bayern, einem Herzogtum im Südosten des Ostfränkischen Reiches. Das Gebiet war zunächst eine Mark (das ist ein Grenzgebiet) innerhalb Bayerns. Man nannte das Gebiet auf lateinisch auch Marchia orientalis (östliche Mark). Im Jahr 976 wurde Liutpold (Leopold I. „der Erlauchte“) aus dem Geschlecht der Babenberger mit dieser Mark belehnt. Aus dem kleinen Verwaltungsgebiet wird eine so genannte Markgrafschaft. Doch die Babenberger waren dennoch dem Herzog von Bayern unterstellt.

Doch innerhalb ihres Gebietes konnten fortan die Babenberger über alles entscheiden. Weite Teile waren aber mit Wald bedeckt. Also begannen sie, große Flächen zu roden, um so Siedlungsgebiet zu gewinnen. Der erste Fürstensitz („Residenz“) der Babenberger befand sich in Pöchlarn (heute in ), später dann in Melk (ebenfalls in ).

Das Wort „Ostarrichi“ gilt als volkssprachliche Übersetzung für „Marchia Orientalis“ (lateinisch für „Mark im Osten“). Der Wortteil „...-richi“ bedeutet auf Neuhochdeutsch zwar „Reich“, jedoch verstand man im Mittelalter unter dem Wort „Reich“ kein riesiges Land, sondern einfach nur ein abgegrenztes Gebiet. Ostarrichi war also das abgegrenzte Gebiet im Osten oder das östliche Grenzland (zum Land der Awaren). Der Begriff „Ostmark“, den die Nationalsozialisten während des Zweiten Weltkrieges verwendeten, um den Begriff „Österreich“ aus dem Sprachgebrauch zu verbannen, ist eine falsche Übersetzung des lateinischen „Marchia Orientalis“, die von Wissenschaftlern des frühen 20. Jh. stammt. Aus dem Wort „Ostarrichi“ wurde mit der Zeit der heutige Name „Österreich“.

Schenkungsurkunde vom 1. November 996

Die „Schenkungsurkunde“ mit der ersten Erwähnung Ostarrichis vom 1. 11. 996

Die älteste bekannte schriftliche Nennung des Namens stammt aus einem in Bruchsal (D) verfassten Dokument vom 1. November 996. Darin wurde eine Schenkung von Kaiser Otto III. an Gottschalk von Hagenau, dem Bischof von Freising, festgehalten. Diesem Bischof wurde ein Gebiet in der „in der volkssprachlich Ostarrichi genannten Region“ (auf Latein: „regione vulgari vocabulo Ostarrichi“) geschenkt. Gemeint war die Region um Neuhofen an der Ybbs („in loco Niuuanhova dicto“). Die Ostarrichi-Urkunde wurde in Latein verfasst. Es befinden sich jedoch vier nicht-lateinische Wörter im Text („Ostarrichi“, „Niuuanhova“, „hoba“, „zidalweidun“), von denen die anderen drei eindeutig altbairisch bzw. althochdeutsch sind. Deshalb vermutet man, dass der Name Ostarrichi ebenfalls altbairischen Ursprungs ist. Heutzutage wird die Urkunde im Bayerischen Hauptstaatsarchiv in München aufbewahrt.

Zurück zur Geschichte des Gebiets: Die Markgrafschaft Ostarrichi wuchs schnell und umfasste bald auch weitere Gebiete oberhalb und unterhalb der Enns. Aber erst 1156 wurde die „Mark Österreich“ vom Herzogtum Baiern (heute Bayern) abgetrennt und durch das so genannte „Privilegium minus“ (= „kleiner Freiheitsbrief“) selbst zum Herzogtum erhoben und somit „reichsunmittelbar“, also direkt dem Kaiser unterstellt.

Die Republik Österreich feierte in Bezug auf die erste urkundliche Erwähnung des Namens Ostarrichi 1996 „Tausend Jahre Österreich“, so wie schon zwanzig Jahre zuvor das tausendjährige Jubiläum der Einsetzung Leopolds I. (ca. 940 – 994) zum Markgrafen von Österreich (976).

Die Bezeichnung „Ostarrichi“ wurde auch gelegentlich für andere Grenzgebiete im Osten des Ostfrankenreiches verwendet. Oft wurde anstelle des Namens Ostarrichi auch das Wort „Osterland“ (für östliches Land oder Land im Osten) oder der lateinische Ausdruck „Marchia Orientalis“ verwendet.

Die Schreibweise mit Zirkumflex (dem Dach ^) über dem i – also mit î – ist eine moderne Ergänzung von Sprachwissenschaftlern, um den Akzent und die Länge dieses Lautes zu markieren. In der Originalurkunde wurde „Ostarrichi“ aber nicht so geschrieben, deshalb haben wir auch in diesem Artikel das Wort ohne diesem „Dach“ geschrieben.

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